8.10.2009
»
»

Kommentare deaktiviert

Berufs- und Ehrenordnung

Präambel:

Diese Berufs- und Ehrenordnung gibt die allgemeine Berufsauffassung über die Rechte und Pflichten von Gebärdensprachdolmetscher/innen und -übersetzer/innen* sowie über deren Umgang untereinander wieder. Sie kann nicht erschöpfend sein und befreit nicht von der Pflicht, in eigener Verantwortung zu handeln und dabei den Sinn der Berufs- und Ehrenordnung zu beachten.
( * im folgenden als GSD/ Ü abgekürzt)

1. Allgemeine Berufspflichten

  1. GSD/Ü üben ihren Beruf unabhängig, professionell, gewissenhaft, unparteiisch und verschwiegen aus. Sie haben sich der Achtung und des Vertrauens, welche die Stellung und die Aufgabe der Dolmetschenden und Übersetzenden erfordern, würdig zu erweisen.
  2. Des weiteren dürfen sie das Ansehen ihres Berufsbildes und des Berufsstandes nicht gefährden. Dies gilt aber insbesondere bei der täglichen Berufsausübung, auch bei öffentlichen Äußerungen unter Nennung der Berufsbezeichnung.

2. Eigenverantwortlichkeit

  1. GSD/Ü üben ihre Tätigkeit in eigener Verantwortung aus. Dies erfordert, dass die Berufsangehörigen sich ein eigenes Urteil bilden und ihre Entscheidung selbst treffen. Dies gilt auch für die Tätigkeit von angestellten GSD/Ü.
  2. GSD/Ü können eine Pflichtverletzung nicht damit entschuldigen, dass sie nach der Weisung eines/r Dritten, insbesondere eines Auftraggebers oder einer Auftraggeberin gehandelt hätten.

3. Fort- und Weiterbildung

GSD/Ü tragen durch Fort- und Weiterbildung für den Erhalt und die Erweiterung ihrer beruflichen Qualifikation Sorge.

4. Auftragsannahme und Auftragsablehnung

  1. GSD/Ü sind in der Annahme eines Auftrags frei.
  2. GSD/Ü nehmen nach bestem Wissen und Gewissen nur solche Aufträge an, bei denen sie ihre berufliche Unabhängigkeit nicht gefährdet sehen.
  3. GSD/Ü werden nicht tätig, wenn sie in einer strittigen Angelegenheit bereits von anderen Beteiligten in Anspruch genommen wurden oder werden und wenn sie dadurch in eine Interessenkollision geraten.
  4. GSD/Ü werden nicht tätig, wenn sie sich bei ihrer Tätigkeit genötigt sehen, gegen ihre Berufspflicht, das Gesetz oder die Berufs- und Ehrenordnung zu verstoßen.
  5. Die Ablehnung eines Auftrags erklären GSD/Ü unverzüglich.

5. Auftragserfüllung

  1. GSD/Ü handeln bei der Auftragserfüllung nach bestem Wissen und Gewissen.
  2. GSD/Ü werden nur in solchen Sprachen, Sprachvarianten, Kommunikationssystemen sowie Sachgebieten tätig, in denen sie über ausreichende Kenntnisse verfügen bzw. sich diese im Rahmen der Vorbereitung verschaffen können. Auch tragen sie dafür Sorge, dass sie die für den jeweiligen Auftrag erforderlichen Arbeitstechniken beherrschen. Sobald GSD/Ü erkennen, dass ein Auftrag ihre derzeitigen Fähigkeiten übersteigt, bringen sie dies allen Beteiligten zur Kenntnis.
  3. GSD/Ü halten ihre Terminvereinbarungen ein. Ist ihnen dies aus zwingenden Gründen nicht möglich, so informieren sie die Beteiligten rechtzeitig und pünktlich und bemühen sich um gleichwertigen Ersatz.

6. Verschwiegenheit

  1. GSD/Ü verpflichten sich, über alles, was ihnen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit anvertraut worden oder bekannt geworden ist, Verschwiegenheit zu wahren, soweit nicht das Gesetz oder Grundsätze der Rechtsprechung Ausnahmen zulassen.
  2. Diese Verpflichtung besteht nach der Beendigung des Auftrags fort und gilt auch gegenüber denjenigen, denen die betreffenden Tatsachen bereits von anderer Seite mitgeteilt worden sind.
  3. Von der Pflicht zur Verschwiegenheit kann nach geltenden gesetzlichen Bestimmungen entbunden werden.

7. Kollegialität

  1. GSD/Ü dürfen das Ansehen ihres Berufsstandes durch ihr Verhalten nicht gefährden. Sie enthalten sich unsachlicher Angriffe auf die Person anderer Berufsangehöriger in Wort und Schrift.
  2. Sie bewahren bei der Beurteilung der Leistung und Honorargestaltung ihrer Berufskolleg/inn/en taktvolle Zurückhaltung. Kritik an einer fehlerhaften Arbeit ist ohne Schärfe und zunächst gegenüber der betroffenen Kollegin bzw. dem betroffenen Kollegen vorzubringen.

8. Wettbewerb

  1. GSD/Ü enthalten sich jeglicher Form unlauteren Wettbewerbs.
  2. GSD/Ü enthalten sich aller Maßnahmen, die geeignet sind, Berufskolleg/inn/en aus einem Auftrag zu verdrängen.
  3. Sie versuchen nicht, Mitbewerber/inn/en zu verdrängen, indem sie die üblichen Honorarsätze planmäßig und gezielt unterbieten.
  4. GSD/Ü verwenden nur solche Berufsbezeichnungen und Titel, zu deren Führung sie nach dem Bestimmungen der Gesetze berechtigt sind. Sie benutzen keine irreführenden Titel.

[lt. Verbandsbeschluss die für die Mitglieder des Bundesverbandes der Gebärdensprachdolmetscher/innen Deutschlands [BGSD] e.V. verbindliche Berufs- und Ehrenordnung]

>> zum Herunterladen im PDF-Format

3.01.2017
» Allgemein
»

Kommentare deaktiviert

Termine 2018 – Bitte vormerken!

Tagung zur Novellierung der Berufs- und Ehrenordnung für GSD

  • 27./28.01.2018 (Berlin)

die Einladung wurde verschickt; Anmeldung bis 30.11.2017

 BV-Termine 2018:

  • BV-I-2018,   10./11.03.2018 (Niedersachsen)
  • BV-II-2018, 10./11.11.2018 (vorauss. Thüringen)

Länderrat 2018:

  • 16./17.02.2018 ( Koblenz)
  • 15.6/16.06.2018 (Schleswig-Holstein)
  • 26./27.10.2018 (Thüringen)

EFSLI AGM Conference 2018

  • 15./16.09.2018 ( Dubrovnik/Kroatien)   –    Thema: “You are (f/h)ired! Interpreting in employment settings”
8.10.2009
»
»

Kommentare deaktiviert

Kundeninformationen

GebärdensprachdolmetscherInnen dolmetschen

  • aus der Deutschen Lautsprache in die Deutsche Gebärdensprache (DGS) und umgekehrt
  • aus der Deutschen Lautsprache in Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) und umgekehrt
  • unter Einbeziehung des Fingeralphabetes

Einzelne DolmetscherInnen dolmetschen auch aus dem Englischen und Französischen in die Deutsche Gebärdensprache.

Gebärdensprachdolmetschen – Was ist das?

Gebärdensprachdolmetschen entspricht dem Dolmetschen zwischen gesprochenen Sprachen. Das heißt beispielsweise:

  • durch die/den DolmetscherIn wird die Kommunikation zwischen verschiedensprachlichen Gesprächspartnern ermöglicht; oder
  • ein Vortrag kann simultan in eine oder mehrere andere Sprachen gedolmetscht werden und wird somit einem breitem Publikum zugänglich gemacht.

Um Inhalte dolmetschen zu können, müssen DolmetscherInnen nicht nur die entsprechenden Sprachen beherrschen, sondern auch kulturelle Kompetenzen besitzen und über das jeweilige spezielle Fachwissen und ebensolchen Fachwortschatz verfügen.
Zu den Arbeitssprachen von GebärdensprachdolmetscherInnen gehören also mindestens jeweils eine Laut- und eine Gebärdensprache. Weiterhin kennen sie sich mit den entsprechenden kulturellen Unterschieden aus.

Anlässe, bei denen GebärdensprachdolmetscherInnen eingesetzt werden können:

  • Versammlungen (Betriebs- oder Vereinsversammlungen, Elternabende)
  • Teambesprechungen am Arbeitsplatz
  • Rechtsanwalts-, Notar-, Versicherungs-, Arztbesuche
  • Behördengänge
  • kulturelle Veranstaltungen (z.B. Theatervorstellungen)
  • Kommunikationsforen
  • Schul-, Universitäts-, Fachhochschulbesuche
  • Schulungen, Aus-, Fort- und Weiterbildungen
  • politische Veranstaltungen
  • bei Gericht und Polizei

GebärdensprachdolmetscherInnen unterliegen der Schweigepflicht und richten sich nach der Berufs- und Ehrenordnung für GebärdensprachdolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen.

Anmerkungen zur Kommunikation mittels Dolmetscher

Sprechen Sie Ihre Gesprächspartner direkt in der 2. Person Singular an, denn die/der DolmetscherIn nimmt innerhalb des Dolmetschprozesses eine neutrale Rolle ein und übersetzt das von Ihnen Gesagte in der Ich-Form.
Sie brauchen, während Sie sprechen/gebärden, keine besondere Rücksicht auf die DolmetscherInnen nehmen. Sollte es einmal zu schnell gehen oder zu Verständnisproblemen kommen, werden die DolmetscherInnen Ihnen dies signalisieren.

Wo kann man DolmetscherInnen bestellen?

In einigen Bundesländern gibt es Dolmetschervermittlungsstellen.
Achtung: Dolmetschaufträge sollten rechtzeitig erteilt (ca. 4 Wochen vor Einsatz) bzw. abgesagt werden. Aufträge, die kurzfristig abgesagt werden, können trotzdem in Rechnung gestellt werden.

18.01.2009
»
»

Kommentare deaktiviert

Der Verband

Der Bundesverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Deutschlands (BGSD) e.V. ist ein Berufsverband, der sich als Interessenvertretung seiner Mitglieder (einzelne GebärdensprachdolmetscherInnen sowie regionale Verbände von GebärdensprachdolmetscherInnen) versteht.

Er strebt eine Professionalisierung seiner Mitglieder (u. a. durch Weiterbildungs- angebote) sowie eine Etablierung des Berufsbildes “GebärdensprachdolmetscherIn” an. Auch wird auf eine Verbesserung der Arbeits- und Einsatzbedingungen sowie eine Standardisierung der Entlohnung und eine verbesserte soziale Absicherung von GebärdensprachdolmetscherInnen hingearbeitet.

Der Verband sieht sich außerdem als Informationsorgan für Mitglieder, KundInnen und Interessierte an. Er setzt sich gemeinsam mit den Betroffenenverbänden für eine angemessene Umsetzung der rechtlichen Regelungen, die sich aus der Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache ergeben, sowie für eine stetige Verbesserung der gesetzlich verbrieften Rechte der Gehörlosen auf die Nutzung der Gebärdensprache ein.

Weitere Informationen:

Der BGSD ist postalisch unter folgender Adresse zu erreichen:

Bundesverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Deutschlands e.V.
Heidland 6a
45721 Haltern am See